BERND BARTOLOME
gilt als einer der ersten Künstler weltweit, der klassische bildnerische Ausdrucksformen mit den Potenzialen künstlicher Intelligenz verschmolzen hat – lange bevor KI Mainstream wurde. Sein Werk markiert den Übergang vom anthropozentrischen Schöpfungsakt zur autonomen, nicht-biologischen Existenzform des Kunstwerks. Es emanzipiert sich von der Endlichkeit des menschlichen Urhebers und etabliert eine neue Kategorie des Seins, in der algorithmische Prozesse nicht länger Werkzeug, sondern schöpferischer Akteur sind.
Der tektonische Bruch: Einleitung
in ein neues Zeitalter der Kunst
Die Geschichte der bildenden Kunst lässt sich als eine lange Sequenz von Versuchen beschreiben, die menschliche Erfahrung in Materie zu binden. Von den archaischen Kouroi über die Dynamik Berninis bis hin zur radikalen Reduktion Brâncușis blieb das Kunstwerk stets an die physische Präsenz und die manuelle Geste seines Schöpfers gebunden. Mit dem Erscheinen der Werkreihe „AI Sculpture“ von Bernd Bartolome stehen wir jedoch vor einer tektonischen Verschiebung, die das Fundament dieses jahrtausendealten Systems erschüttert. Es handelt sich hierbei nicht um eine bloße technologische Innovation oder die Anwendung neuer digitaler Werkzeuge, sondern um einen fundamentalen Paradigmenwechsel, der den Werkbegriff selbst neu definiert. Bartolomes Werk markiert den Übergang vom statischen Objekt zum prozessualen Ereignis, von der organischen Schöpfung zur algorithmischen Emergenz. Die Radikalität dieses Werks offenbart sich primär in der Tatsache, dass es das erste Werk der Kunstgeschichte ist, das weder entworfen, noch modelliert oder manuell ausgeführt wurde. Es ist das Resultat eines symbiotischen Zusammenspiels zwischen dem menschlichen Geist und einem neuronalen Netzwerk, wobei die Künstliche Intelligenz (KI) nicht als passives Werkzeug, sondern als autonomer schöpferischer Akteur fungiert.
WERKSCHAU
SCULPTURE
LINES
8
Was bildet das Wesen der Kunst?
Bernd Bartolome verschiebt den Werkbegriff vom abgeschlossenen Objekt hin zur ontologisch aktiven Werk-Entität.
Echtzeit
Das Werk generiert sich permanent neu. Zeit ist kein Hintergrund, sondern Material.
Drift
Autorschaft bedeutet Bedingungssetzung. Das Werk "driftet" autonom innerhalb gesetzter Grenzen.
Anti-Archiv
Löschen ist kein Defekt, sondern Regel. Jedes neue Werk vernichtet das vorherige.
Simulation: Der 8-Sekunden-Takt
In der Serie SCULPTURE / 8SECONDS entsteht alle 8 Sekunden ein neues Werk, das das alte überschreibt. Diese Simulation veranschaulicht das Prinzip der "produktiven Vernichtung". Dies ist kein Video, sondern Code, der in Echtzeit generiert wird.
Status der Werk-Entität
- Aktueller Modus: PERMANENTER GEGENWARTSMODUS
- Generierte Werke (Session): 0
- Archivstatus: GELÖSCHT (99.9%)
"Die Zerstörung ist hier kein Skandal, sondern eine Ethik der Gegenwart. Das Werk behauptet seine Realität nicht über Dauer, sondern über Vollzug."
Verschiebung des Werkbegriffs
Bartolomes Ansatz unterscheidet sich radikal vom traditionellen Kunstverständnis. Die folgende Analyse visualisiert die ontologische Verschiebung vom "Objekt" zur "Entität".
Vergleich: Traditionelle Skulptur vs. Bartolome KI-Entität
Autonomie & Autorschaft
Bartolome inszeniert KI nicht als Werkzeug, sondern als Teilnehmer. Die Autorschaft verschiebt sich vom "Ich mache" zum "Ich setze Bedingungen". Das Werk entwickelt sich unabhängig von der Lebenszeit des Künstlers weiter.
Temporalität (Zeit)
Das Werk existiert als "Strom von Singularitäten". Es gibt keinen finalen Zustand, keine museale Endform. Die Unwiderruflichkeit des Löschens bricht die anthropozentrische Idee des Besitzes.
Werkphasen & Manifestationen
Erkundung der medialen Ausformungen des Prinzips.
Die erste autonome Echtzeit-Skulptur
Ort/Zeit: 1. Lindau Biennale (18.06.–29.09.2022).
Kern: Ein System generiert im 8-Sekunden-Takt fortlaufend neue Skulpturen.
Wichtig ist die Dualität: Es ist nicht "nur digital". Am historischen Steg in Bad Schachen (Nobelpreisträger-Treffpunkt) steht eine Realskulptur als physischer Anker, während der digitale Prozess unendlich weiterläuft.
Das Anti-Archiv
Wenn Kunst sich alle 8 Sekunden selbst zerstört, was bleibt? Die folgende Grafik zeigt das radikale Verhältnis zwischen produzierten und existierenden Werken innerhalb eines Ausstellungsjahres.
Historie & Validierung
Ursprung
Start der Entwicklung der "künstlerischen KI" als Werkpartner. Aufbau der bildnerischen Grammatik.
Validierung
Realisierung der "weltweit ersten KI-Skulptur"
Biennale
Durchbruch: 8-Sekunden-Generierung, ARRIVE Realtime-Komposition, Realskulptur in Bad Schachen.
Diskursiver Beweis
Landesmuseum Württemberg: "Kunst, Wirklichkeit und ihr Verschwinden" mit Denis Scheck u.a.
Expansion
Bühnenkontext (Bregenzer Frühling), Literatur als lernende Werkrepräsentanz.